"Asking makes you vulnerable", but "through the act of asking people, you connect to them ... and they want to help you". Diese Worte stammen aus einem Vortrag, der mit einer Geschichte verbunden ist, die mir gezeigt hat, dass wir als Gruppe, als Bekannte und Freunde unsere Träume wahr werden lassen können. Was ist das für ein Vortrag? Ich verrate es am Ende dieses Posts.

Ich habe oft schon in den KarriereTippsMitPlant (Twitter) geschrieben, dass ein großes Netzwerk wichtig ist, um deine Karriere, deine Projekte oder schlichtweg deine Arbeitsplatzzufriedenheit vorwärts zu bringen. Heute möchte ich dir diese persönliche Geschichte erzählen. Denn ein großes Netzwerk hilft auch im privaten Umfeld. Es hilft einem auf und weiterzulaufen, wenn es nicht mehr weiterzugehen scheint.

Der Schock

Es war im Juni 2015 als eine unvorhergesehene, sofortige Rückzahlungsaufforderung des BAföG-Amts ins Haus geflattert kam. Wir (Mein Partner und ich) hatten wohl etwas falsch angegeben und mussten jetzt also binnen 14 Tagen knapp 5000 Euro Überzahlung zurückgeben. Wir, das sind zwei Personen mit einem damaligen Einkommen, das zu 60% für die Miete draufging und Ersparnissen kleiner 500 Euro (für Reparaturen, falls mal Waschmaschine oder Kühlschrank oder so kaputt geht). Wir standen vor einer unmöglich lösbaren Situation.

Das Brainstorming

Etwa 2 Stunden nach dem ersten Schock haben wir überlegt, was wir machen können, um die Situation wenigstens weniger schlimm zu machen. Heute wissen wir nicht mehr, wer von uns beiden auf die Idee kam, sie lautete in etwa: "Was wenn wir das ganz transparent und öffentlich machen, dass wir das Problem haben und Leute fragen, ob sie uns kleinere Geldbeträge leihen, die wir anteilig an der Gesamtsumme über die nächste 12-18 Monate zurückzahlen?" Voll die gute Idee, eigentlich, und doch waren wir beide schnell davon überzeugt: "Das können wir nicht machen."

In Ermangelung besserer Alternativen, haben wir es trotzdem gemacht. Der Tweet mit dem Hilfegesuch ging um 19:18 auf Twitter online. Um 23:37 haben wir die Aktion mit einem Tweet wieder beendet.

Das Resultat

Wir haben den Schritt gewagt, öffentlich nach Hilfe gefragt und binnen 4 Stunden und 19 Minuten Zusagen für ~4500 Euro gehabt von über 20 Personen. Das Verblüffende, einen Teil der Menschen kannten wir nicht einmal persönlich, sondern nur über Eck. Wir konnten also die Rückzahlung fristgerecht bedienen und haben begonnen jeden Monat zwischen 100 und 400 Euro je nach Verfügbarkeit anteilig an die Unterstützenden zurückzugeben. 14 Monate später hatten alle ihr Geld zurück. Ich bin bis heute sehr dankbar für alle, die uns unterstützt haben. Auch diejenigen, die durch Retweets und Teilen mitgeholfen haben genügend Unterstützende zu finden.

Die Magie von Twitter

Für mich war diese Aktion ein magischer Moment der Erkenntnis. Bis dato war Twitter für mich immer eine Plattform von Fremden, mit denen ich Wortwitze und Memes austausche. An diesem Tag ist Twitter zu einer Art Familie geworden. Wir achten auf einander und helfen einander aus, wenn möglich, um gemeinsam zu wachsen. Seit dem ist mir das auch immer wieder aufgefallen, seien es Wohnungsgesuche, Geldnöte oder einfach unerfüllte Wünsche manchmal erreicht es Leute die gerade helfen können.

Positives Mindset

Ein weiterer Aspekt, den ich regelmäßig bei KarriereTippsMitPlant erwähne, ist das positive Mindset. Warum das so wichtig ist, möchte ich anhand einer anderen Geschichte erklären. Ich habe eines Tages auf Twitter gescrollt und über einen Retweet gesehen, dass @flauschzelle geschrieben hat:

https://twitter.com/flauschzelle/status/1167097843666083840

🥰Mag mir jemand ein Ticket für Stuttgart schenken?😇

Mal im Ernst: geht da hin! Ich werde euch alle beneiden, aber ich hoffe, dass diese Show überall möglichst viel Publikum hat, sie ist gut und wichtig!

Wenn ich es mir leisten könnte, wäre ich auf jeden Fall dabei.
(zitiert:https://twitter.com/amandapalmer/status/1167089279127957504)

Dieser Tweet ist bei mir hängengeblieben. Nicht weil sie gefragt hat, ob ihr jemand ein Ticket schenkt, sondern weil sie Werbung für eine Veranstaltung gemacht hat, an die sie glaubt, zu der sie aber selber nicht hingehen kann. Ich fand das so schön und war mir mit meinem Partner sofort einig, dass wir das Ticket tatsächlich gerne sponsern möchten. Ich muss gestehen, ich wusste nicht, wer Amanda Palmer ist. Stellt sich heraus, sie hat einen Ted Talk darüber gehalten, dass man sich trauen darf und sollte, um Hilfe zu bitten und das Twitter dafür eine total gute Plattform ist. Dass es aber genauso schwierig sein kann in der Gesellschaft in der wir leben, sich dazu zu überwinden ("Asking makes you vulnerable"). Amanda hat eine unfassbar kraftvolle Haltung zum Leben und zur Kunst und sie steht dafür - wann immer möglich - kostenlosen Zugang zu ihrer Kunst zu geben, damit alle Zugang bekommen. Wir haben das Konzertticket sowieso gerne gesponsert, aber nachdem wir den Talk gesehen haben, war klar, es hat genau die richtigen Beteiligten getroffen.

https://twitter.com/flauschzelle/status/1167125706158903296

Wow... ich kann es noch gar nicht fassen, aber... mir hat tatsächlich gerade jemand ein Ticket geschenkt! O.o

Ich fühle mich gerade sehr wie ein unverdienter Glückspilz, und ich glaube das ist genau der Spirit, den
@amandapalmer
verbreitet, und den ich an ihr so bewundere!

Ich habe lange gebraucht, um diesen Blogpost zu schreiben, weil es sich wie Selbstbeweihräucherung anhört und ich das nicht mag. Genauso möchte ich aber, dass alle wissen, wie einfach es sein kann, die eigene Filterbubble zu bereichern, an manchen Tagen durch Suchen an manchen Tagen durch Dienen. Und unverdient war es nicht, @flauschzelle. Denn dadurch, dass du dich getraut hast zu fragen, wurde nicht zuletzt auch dieser Blog um eine wunderschöne Geschichte reicher gemacht.

Danke ❤️