Nach 2 Stunden Fahrt, fahre ich von der Autobahn ab und steuere den Ford Focus auf einen Rastplatz. Ich bin müde und hungrig.

Mal sehen, was der Burger King so zu bieten hat. Ich steige aus und schließe das Fahrzeug ab. Der Rastplatz ist gut besucht. Ein Mensch mit Pappschild fällt mir ins Auge. Er reist wohl per Anhalter ist mein erster Gedanke, aber als ich näher herankomme lese ich: "Fast-Food tötet!" Ich schaue ihn an, er schaut zurück und spricht mich an: "Wussten Sie, dass 11 Millionen Menschen weltweit durch Fast-Food sterben?" Ich mustere ihn, beuge mich dann verschwörerisch vor und sage: "Tja, die Konkurrenz schläft nicht." Verwirrt schaut er mich an, als ich die Pause auskoste, bevor ich nachsetze: "Ich meine 11 Millionen Tote durch Fast-Food machen den 8,8 Millionen Hungertoten ja schon irgendwie Konkurrenz und beide sind Symptome des gleichen Problems", ich grinse und gehe weiter. Das Essen und der Rest der Fahrt waren sehr unspektakulär.

Ich komme in einer dörflichen Umgebung an. Der Ort hat nicht viel mehr als 400 Einwohner. Davon sind etwa 250 Rinder und Schweine. Ich kehre in einer gemütlichen Herberge mit 3 Gästezimmern ein und ruhe mich aus.

Um Mitternacht verlasse ich das Zimmer leise über die Außentreppe, die als Fluchtweg fungiert. Ich gehe zu Fuß, der Ort ist ja nicht groß. Zwei Straßen weiter, am Zielort sehe ich das Flackern eines Fernsehers im Obergeschoss. Eine Leiter lehnt an einem offenen Fenster. Ich klettere hinauf und durch das Fenster in die Wohnung.

"Herr Grieswald", ich zucke zusammen als ich eine zitternde Stimme flüstern höre, "ich habe Sie erwartet. Einen Tee? Sie werden verstehen, dass er um diese Stunde etwas kalt ist." Ich nehme dankend an. Wir sitzen eine Weile und trinken Tee. Irgendwann raffe ich mich auf und fragte: "Was genau meinten Sie, als Sie sagten, sie hätten mich erwartet?" Sie lacht leise auf. "Sagen Sie nicht, es ist das erste Mal, dass Ihr Auftraggeber zugleich Ihr Kunde ist!? Sehen Sie, ich bin jetzt 87 Jahre alt, seit mein Mann vor zehn Jahren verstorben ist und wir die hohen Schulden von ihm geerbt haben - er hat nie von seinen Geschäften erzählt, um uns nicht zu belasten - ..... Ich hatte ein erfülltes Leben und dieser Körper macht auch nicht mehr so recht, was er soll. Herr Grieswald, ich habe genug. Ich habe aber auch eine ausreichende Lebensversicherung, um noch etwas Gutes zu tun. Deshalb sind Sie hier. Sie sind der Engel, der mich nach Hause holt"

Eine kleine Träne sammelt sich in meinem Augenwinkel. Ich atme durch, schaue ihr tief in die Augen, halte ihr die Hand hin zum Aufstehen und frage: "Wollen wir?" Ein seliges Lächeln legt sich auf ihr Gesicht, die Augen strahlen vor Glück. Sie ergreift meine Hand und antwortet zufrieden: "Ja, ich will!" Wir fangen beide an zu kichern. "Danke, Herr Grieswald. Sie sind ein guter Mensch."

Ich öffne meine Tasche, lege Pistole und Sprengstoff zur Seite. Meine Mutter hat immer gesagt, es sei gut vorbereitet zu sein, als in Schwierigkeiten zu geraten. "Besser haben als brauchen", hat sie immer gesagt. Ich nehme die Mappe mit den Spritzen, wähle zwei aus und verabreiche sie meinem Ziel nacheinander. Nach 25 Sekunden sackt sie in meinen Armen zusammen. Ich platziere sie so am Fenster, dass sie fällt, sobald ich die Leiter wegziehe. Ich stecke meine Teetasse ein und klettere an ihr vorbei auf die Leiter. Unten angekommen greife ich in meine Tasche und hole die Zitrone hervor. Einen beherzten Biss später verziehe ich mein Gesicht und denke: "Widerlich, aber besser mit Zitrone als mit Milch." Ich ziehe die Leiter weg und mein Ziel stürzt kopfüber Richtung Boden. Ich knie mich noch einmal hin und sage "Danke, Frau Grimm, für den Tee. Ihnen eine gute Reise." Mit diesen Worten mache ich mich auf den Weg zurück in die Unterkunft. Die Diagnose wird lauten Herzstillstand am Fenster und Tod durch Genickbruch.