Du kennst das, es gibt so viele spannende Themen, mit denen du dich beschäftigen möchtest, so viele Projekte, die du umsetzen willst, aber der Tag hat nur 24 Stunden und irgendetwas muss die Wohnung und die Brötchen finanzieren.

Danke an @Diula und @4Nadine für diese Frage. Ein kleines Wort der Warnung vorweg, persönliche Projekte sind ein super individuelles Thema, deswegen gibt es meiner Meinung kein Standardrezept. Ich werde dich aber so gut es geht an Beispielen teilhaben lassen, die dir im besten Fall helfen, deine eigenen Projekte zu strukturieren und zu priorisieren.

Was sind Projekte, was sind Ideen?

Eine Idee beginnt oft mit den Worten: "Ich könnte mal/Ich würde gerne ...!" oder "Was passiert eigentlich, wenn ...?" Diese Geburtsstunde der Idee ist nicht zu unterschätzen, weil mit ihr die ersten Emotionen in das Unterfangen kommen. Das kann Angst und Zurückhaltung sein, das kann aber genauso gut der brennende Drang sein, die Idee unbedingt in die Tat umzusetzen. Halte diesen Moment fest, es ist ein magischer Moment <3

Ein Projekt entsteht, wenn du dich dazu entscheidest, die Idee zu verfolgen. Ganz plump gesagt ist ein Projekt = Idee + Commitment. Ein Projekt wird deine Zeit benötigen und hat ein klar definiertes Ziel (mehr zu Zielen unten).

Achte darauf, wenn du mit Freunden sprichst. Sagst du sowas wie:

  • "Ich habe mir vorgenommen, ..."? Glückwunsch, du hast ein Projekt.
  • "Man müsste mal, ..." wahrscheinlich eine Idee
  • "Wie es wohl wäre, ..." -> Idee
  • "Kannst du mich unterstützen, ich möchte ..." -> Projekt

Du hast jetzt gezählt und 573 Ideen und 29 Projekte, was nun?

Nur kein Stress. Alle waren schon mal an dieser Stelle. Der erste Schritt ist die Sortierung.

Kurzer Exkurs: Ziele

Alle Projekte sollten Ziele haben und gute Ziele sind SMART. Es gibt andere Menschen die ausführlich über Ziele schreiben, deshalb hier nur die Kurzfassung. Ein Ziel ist Specific (eindeutig und klar), Measurable (bedeutsam/wertschaffend und mit definiertem Ende), Achievable (erreichbar), Relevant (Sinn stiftend und wichtig), Time-Bound (auf konkreten Zeitraum bezogen)

Genauso ist es super hilfreich, wenn du für dein Leben Ziele definiert hast (die sind regelmäßig nicht SMART sondern eher SMAR oder auch mal MART). Es gibt ein paar Ikonen der Persönlichkeitsentwicklung die sagen, dass du immer ein Buch für deine Ziele/Träume zur Verfügung haben solltest und das zu jedem Zeitpunkt idealerweise wenigstens 5 darin geschrieben sind. Zu erklären, warum es sinnvoll ist, die Ziele aufzuschreiben, würde hier den Rahmen sprengen, sieh es hilfsweise als schriftlichen Vertrag mit deinem Unterbewusstsein.

Sortierung

Meistens sind nicht alle Ideen und Projekte bereits in einer Liste aufgeschrieben, deshalb passiert die Sortierung in der Regel im Kopf. Ein Projekt ist nicht besser oder schlechter als eine Idee. Am Ende zählen die Ergebnisse. Es gibt viele verschiedene Kriterien eine Sortierung vorzunehmen und diese sind teilweise sehr individuell. Deshalb stelle ich dir hier meine vor und begründe kurz, was daran wichtig ist:

  1. Ich sortiere alle Projekte zu denen ich kein konkretes Ziel formulieren kann erstmal aus
  2. Ich nehme Ideen zu den Projekten auf, wenn ich aus dem Bauch heraus Ziele formulieren kann ohne darüber nachzudenken.
  3. Als nächstes sortiere ich die Projekte, die mir aus dem Bauch heraus wichtig erscheinen nach oben. (Measurable)
  4. Jetzt nehme ich alle Ziele, die mich entlang meiner Lebensziele voranbringen, und schiebe alle zugehörigen Projekte 2 Plätze nach oben. (Measurable)
  5. Die obersten 10 Projekte schreibe ich auf und überlege mir welchen Zeitumfang sie brauchen.

Manchmal fließt noch ein Bonus dafür ein, was meine Stärken bzw. meine Leidenschaft ist. Zum Schluss entscheide ich mich für 4 Projekte, die ich verfolgen möchte:

  • Zwei, die kurzfristig laufen (wenige Monate), die vielleicht täglich oder mehrmals wöchentlich Aufmerksamkeit brauchen.
    Zum Beispiel: Eine neue Sprache lernen, eine Anleitung/Rede/Kurzgeschichte schreiben oder ein Buch lesen.
  • Eins, das mittelfristig läuft (6-12 Monate) und wenigstens wöchentlich Aufmerksamkeit braucht.
    Zum Beispiel: Einen Podcast machen, ein kleines Buch schreiben oder eine Community zu einem bestimmten Thema aufbauen.
  • Eins, das langfristig läuft und hin und wieder Aufmerksamkeit braucht.
    Zum Beispiel: Eine Schule bauen, auf einen Marathonlauf vorbereiten(könnte auch mittelfristig sein) oder seine Karriere neu ausrichten.

Du hast deine aktuellen Projekte ausgewählt? Prima, dann überprüfe jetzt nochmal auf SAT. Ist es Specific und du weißt genau, was es in dem Projekt zu erreichen gilt? Ist es Achievable oder gibt es irgendwelche externen Faktoren, die eine Umsetzung unmöglich machen (Dann wäre ein neues Projekt, an den Faktoren arbeiten)? Und ist es Time-Bound, weißt du genau wie lange du an dem Projekt arbeiten möchtest, bis es als abgeschlossen gilt?
Randnotiz: Ein Projekt kann auch sein Ziel nicht erreichen und trotzdem erfolgreich sein, wenn es andere Projekte ermöglicht oder ein Ziel erreicht, das man vorher noch nicht gesehen hat, ohne die geplante Zeit zur Erreichung zu überschreiten. Am Ende wächst du sowieso am meisten durch die Erfahrungen, die du während des Projekts sammelst und nicht durch das formelle Erreichen des Ziels.

Revisionen

Eine Auswahl von 4 Projekten soll dir helfen, dich zu fokussieren. Es heißt nicht, dass du auf Biegen und Brechen daran festhalten musst. Manchmal entpuppen sich langfristige Projekte nach 2 Wochen schon als nicht umsetzbar. In Ordnung, wirf es weg, nimm das Nächste. Manchmal entstehen dringende Projekte zwischendurch. Kein Problem, such dir eins deiner aktuellen Projekte, schreibe den Fortschritt daneben (z.B. 17%) und schiebe es zur Seite. Projekte mit vorhandenem Fortschritt kannst du beim nächsten Mal priorisiert wiederaufnehmen. Achtung! Ersetze niemals Projekte durch eine Idee. Wenn du ein Projekt zur Seite schiebst, muss der Ersatz mindestens ein SMARTes Ziel haben.

Nachwort bzw. Beichte

Obwohl ich diese Strategie kenne und als sinnvoll mit anderen teile, ist es schwierig und ich halte mich selbst nicht immer daran. Es ist vielmehr so, dass ich meine Zeit so einteile, dass ich 10-20% meiner Zeit für diese 4 Projekte (manchmal sind es auch 7-8 dann eher kleinere) reserviere. Das heißt nicht, dass ich nicht in der Zeit, die nicht dafür reserviert ist, trotzdem Projekte verfolge. Und nicht zuletzt ist es auch schwierig sich an SMART goals zu gewöhnen. Dieser Blogpost wurde vor einem halben Jahr angefragt und ich habe mir einen Zeitraum von einer Woche gesetzt. Eigentlich ist das Projekt damit vorbei und ich hätte überlegen können, was ich daraus gelernt habe. Stattdessen habe ich den Post jetzt doch geschrieben und in den letzten 6 Monaten viel mehr Zeit in die Überlegung gesteckt, wie ich das als Text rüberbringen soll, als ich wollte. In meiner Erfahrung ist es viel leichter SMARTe Ziele für kurzfristige Projekte zu definieren. Gerade für längere Projekte empfehle ich dir die Idee hinter SMART goals zu kennen und trotzdem nicht als strikte Vorgabe zu sehen, sondern lieber als Richtlinie zu verstehen und dann dem Projekt kurzfristigere Meilensteine zu geben, die wieder SMART sind.

Meine aktuellen Projekte

  • Ich lese Never Split the Difference von Chris Voss und möchte damit bis Ende März durch sein.
  • Ich plane mein Sabbatical im April (das ist jüngst mit viel Neuplanung verbunden, weil mein ursprüngliches Ziel die Grenzen geschlossen hat)
  • Ich arbeite daran mein Schulungsbusiness umzustrukturieren, dabei mir den Bereich e-Learning und Trainerausbildung anzuschauen (bisher nicht richtig SMART, weil S&T fehlen)
  • Ich möchte einen Ort schaffen, der Bildung nicht als Luxusgut, sondern als Lebensmittel auffasst. Ein solcher Ort sollte für alle erreichbar und nutzbar sein, unabhängig von Alter, Aussehen und Weltanschauung. Eine Art Unperfekthaus (externer Link) für Bildung vielleicht. Dieses langfristige Projekt ist einer der 5 Punkte auf der Liste meiner Lebensziele. Das Projekt an sich hat auch kein SMARTes Ziel, die Meilensteine dazwischen in der Regel schon und es ist zu jeder Zeit stark im Wandel. Hierzu kam mir gerade die Idee mal einen ausführlicheren Blogpost zu schreiben. Mal schauen wann es zum Projekt wird 😃

Zusammenfassung

  1. Kenne dein Warum, kenne deine Ziele.
  2. Ideen ≠ Projekte, sondern Projekt = Idee + Ziel (SMART)
  3. Was bringt dich persönlich und sachlich weiter?
  4. Was passt in deine aktuelle Kapazität? (Stärken, Leidenschaft, Zeit)
  5. Mache nicht zu viele Projekte parallel (2-4 sind ideal)
  6. Wenn du ein neues Projekt zwischenschieben möchtest, markiere ein anderes als pausiert.

Wenn du selber Fragen hast, schicke mir gerne ein Email an:
p-karrieretipps@plantprogrammer.de